Speiseröhrenentzündung

(Ösophagitis,Refluxkrankheit)

Eine Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut bezeichnen Mediziner als REFLUXÖSOPHAGITIS (Speiseröhre = Ösophagus). Sie entsteht wenn saurer Magensaft in die Speiseröhre zurück fließt (Säurereflux).

Ich möchte hier die Krankheitsgeschichte meines ersten Hundes vorstellen, der unter dieser Erkrankung litt. Da es bislang noch wenig Erfahrung mit dieser Krankheit gibt möchte ich unsere Erfahrungen anderen Betroffenen zur Verfügung stellen.

Ich übernahm meinen Hund aus dem Tierschutz im November 2005.
Ich fütterte erst Trockenfutter, welches ihm aber nicht bekam und stellte dann um auf BARF. (Heute weiß ich, dass er aufgrund einer Futtermilbenallergie das Trockenfutter nicht vertrug.)

reflux-roentgenNach einer Zwischenmahlzeit mit Hüttenkäse und pürierter frischer Ananas bekam mein Hund starke Schluckanfälle und wollte ganz zügig raus ins Freie, um Unmengen von Gras zu fressen. Dabei pumpte sich der Bauchbereich stark auf.
Ab und an erbrach er morgens gelben Schleim. Ich gab dann abends Reis oder Kartoffeln, das half temporär.
Die Luft entwich dann nach einiger Zeit wieder in Form von Aufstoßen und Flatulenzen.
Das ganze Jahr 2008 achtete ich auf das Futter, vermied Lebensmittel, die ich in „Verdacht" hatte, diese Anfälle auszulösen.

Sie traten aber immer mal wieder auf. Dazu fiel mir die nächtliche Unruhe an meinem Hund auf. Er knirrschte mit den Zähnen und schmatzte. Zeitweise stand er nachts auch auf und lief kurz durch den Raum. Oder es war so schlimm, dass er nachts raus musste, um Gras zu fressen.
(Im liegenden Zustand befinden sich beim Hund Magen und Speiseröhre auf gleicher Höhe, somit ist ein permanenter Rückfluss von Speisebrei vom Magen in die Speiseröhre bedingt durch den defekten Magenpförtner begünstigt.)

Anfang des Jahres 2009 spitzte sich die Lage dann zu. Mein Hund hatte einen dieser Schluckanfälle und ist in den Garten gelaufen, um Gras zu fressen. Leider lag zu dieser Zeit Schnee und er fraß auch Unmengen von Schnee und hatte starke Bauchkrämpfe. Ich gab ihm noch eine trockene Scheibe Brot, weil ich annahm, dass sein Magen übersäuert war und dachte, trockenes Brot würde helfen.

Ich suchte umgehend meinen Haustierarzt auf, der zuerst krampflösende Mittel spritzte. Mein Hund erbrach sich noch in der Praxis.

Dann begannen wir die „Triple Therapie", das ist eine Medikamenten-Kombination aus einem Antibiotikum (Metronidazol), einem Magensäureblocker (Omeprazol) und einem Präparat zur Veminderung der Magensäure (Ranitidin). Der Tierarzt äußerte den Verdacht auf Helicobacter pylori, einem bakteriellem Befall des Magens. Allerdings stellte sich nach Recherchen meinerseits raus, dass ein Befall beim Hund nur sehr schwer nachzuweisen ist. Der damalige Tierarzt versuchte es auch erst gar nicht, sondern begann die Triple Therapie, weil das ein übliches Prozedere ist bei solchen Symptomatiken.

Dem Hund ging es daraufhin zwar besser, aber ich wollte endlich eine genaue Diagnose und suchte einen Facharzt auf.

Dort wurde dann ein Röntgenbild erstellt, um den Weg vom Speisebrei in den Magen sichtbar zu machen. Der Hund bekam zuvor ein Kontrastmittel zugeführt und es wurde noch eine Magenspiegelung durchgeführt. Diese beiden Untersuchungen brachten eine Diagnose.

Auf dem Röntgenbild waren die Problematiken deutlich zu erkennen: eine recht große Aussackung der Speiseröhre, ein defekter Magenein- und ausgang. Die Speiseröhre war „ausgeleiert" und aufgrund dessen ausgesackt. Sie war auch nicht in der Lage, noch ausreichend Kontraktionen durchzuführen, um Speisebrei in den Magen zurück zu befördern. Wird der Magen bei der Futteraufnahme gefüllt, öffnet sich der Magenpförtner zig Mal, um entstandene Luft zu entlassen. Dabei fließt Speisebrei in die Speiseröhre zurück. Eine gesunde Speiseröhre veranlasst automatisch Kontraktionen, um den Speisebrei zurück zu transportieren. Der Magenpförtner war nicht in der Lage, den Mageneingang komplett zu verschließen.

Bei der Magenspiegelung wurde dann der stark entzündliche Prozess deutlich, der sich über den langen Zeitraum entwickelt hatte. Die Speiseröhre war stark verätzt und die Magenwand verdickt. Die Magensäure bei Hunden ist deutlich saurer als beim Menschen.

Nach Abschluss der Diagnostik gingen wir folgendermaßen vor:
Medikamentöse Therapie mit Omeprazol, Ranitidin, MCP-Tropfen, Novalgin und Ulcogant.

Das Omeprazol verhindert die Produktion der Magensäure, das Ranitidin unterstützt dies. MCP-Tropfen verbessern die Motorik, denn Ziel war es, den Magen schnell zu füllen und schnell zu entleeren, damit so wenig Belastung wie möglich entsteht.
Das Novalgin gab es gegen die Schmerzen, die die entzündete Speiseröhre verursachte. Ulcogant ist ein Mittel welches man zur Schleimhautprotektion verabreicht. Das Mittel bildet mit Gewebeproteinen, an Orten wo Geschwüre oder Schäden vorliegen gemeinsam mit dem Magenschleim eine Schutzschicht für die Schleimhaut. Darüber hinaus regt das Mittel die körpereigene Schutzfunktion der Schleimhaut, wie z.B. die Zellerneuerung, Schleimbildung und Durchblutung, an.

Da mein Hund zu den „stillen Leidern" gehörte, war es sehr schwer, überhaupt zu erkennen, dass er Schmerzen hatte. Hunde können dies oft schwer ausdrücken, gerade wenn der Schmerz von innen kommt und sie keine direkte Ursache für sich erkennen können. (Es gibt einen Fall wo ein erkrankter Hund den nächtlichen Schmerz mit seinem Zuhause verknüpfte und dies dann gegen Abend immer verlassen wollte.)

Die Fütterung habe ich ebenfalls komplett umgestellt. Es gab 3 Mahlzeiten pro Tag bestehend aus gekochtem Hühnchen und Kartoffeln. Das ganze wurde zu einem Brei püriert und der Hund musste das im Stehen (auf den Hinterbeinen, Vorderpfoten auf Treppe oder Stuhl) fressen. Somit erleichtert man das durch rutschen durch die Speiseröhre in den Magen. Denn bleiben Speisereste in der Aussackung der Speiseröhre hängen, entstehen dort unschöne Prozesse, die mit starkem Geruch einhergehen.

Nach drei Tagen mit der medikamentösen Therapie begann mein Hund stark aufzustoßen und entsetzlich aus dem Maul zu riechen. Durch den Wegfall der Magensäure konnten sich Bakterien bilden, die Gase produzierten und für unschöne Bauchgeräusche sorgten. Somit gaben wir das Antibiotikum Metronidazol und die Beschwerden verschwanden sofort.

Leider vertrug mein Hund auch kein Geflügelfleisch. Er quittierte das mit Bauchgeräuschen und Flatulenzen. Ich stellte um auf Pferdefleisch und die Beschwerden verschwanden sehr schnell. Seine Mahlzeiten wurden noch um Möhren erweitert.

Das ganze Jahr 2009 experimentierten wir mit der Fütterung, Medikamentendosierung und Futterzusätzen.

Zusammen fassend kann ich für unseren Fall folgendes Management benennen:

Ich fütterte am Tag 3 Portionen zu festen Zeiten, die letzte Mahlzeit bekam er um 18 Uhr. Ziel ist hierbei, dass der Magen nachts leer ist, was nach ca. 5-6 Stunden nach der Fütterung der Fall ist. Jegliche Versuche auf anderes Fleisch umzustellen blieben erfolglos, es wurde nicht vertragen.

An Medikamenten bekam er täglich morgens und abends eine halbe Tablette Ranitidin. Vorm Schlafen gab es einen Beutel Ulcogant Suspension. Ca. 3-4 Mal im Jahr musste ich an die 6 Wochen lang diese Medikamente geben, weil sein Magen samt Speiseröhre wieder entzündet war. Je schneller man die Anfänge einer erneuten Entzündung erkennt und handelt, umso besser bekommt man diese Episoden wieder in den Griff. Man darf nicht zögerlich sein mit der Gabe von Medikamenten, da dies nicht förderlich ist.

Ich unterband sämtliches fressen von Gras und sonstigen „Leckereien" die mein Hund draußen gern aufnehmen würde. Leider konnte er auch keinerlei Kauartikel mehr genießen, aber es gab durchaus andere Möglichkeiten. Ich belohnte ihn draußen aus der Futtertube, wo ich sein püriertes Futter abfüllte. Ab und an gab ich als Belohnung gekochte Möhren. Als „Kauvergnügen" befüllte ich einen Kong mit seinem Futter.

Das Leben mit dieser Krankheit erfordert ein striktes Management aber es ist durchaus machbar. Mein Hund hatte Lebensqualität und war trotz dieser Krankheit ein fröhliches Tier. Ich habe lange und oft überlegt, ob er nicht zu sehr leidet, aber mein Arzt hat mich immer wieder bestärkt und ermuntert.

Diese Geschichte war unsere Geschichte, es heißt demnach nicht, dass alle Hunde mit diesem Krankheitsbild exakt genau so reagieren oder gleiche Symptome zeigen. Jedes Tier reagiert anders auf Erkrankungen. Aber trotzdem halte ich es für wichtig, Erfahrungen mitzuteilen, dass andere Halter evtl. hellhörig werden und bislang unverständliche Verhaltensweisen an ihrem Hund entdecken und verstehen können.

Scheuen Sie sich nicht, Dingen auf den Grund zu gehen, mir persönlich ging es deutlich besser, als ich den „Feind" kannte gegen den ich kämpfte.