Schilddrüsenunterfunktion beim Hund

Die Schilddrüse ist eine Hormondrüse, die dicht am Kehlkopf sitzt und Bestandteil eines Regelkreises ist, zu dem noch der Hypothalamus und die Hypophyse gehören.

Die Schilddrüse produziert die Hormone T3 und T4, welche für den gesamten Stoffwechsel, die Aktivität des zentralen Nervensystems und für die körperliche Entwicklung verantwortlich sind. Das bedeutet, dass die Schilddrüse Einfluss auf sehr viele Bereiche des Körpers hat.

Die Schilddrüsenunterfunktion (kurz SDU) beim Hund ist eine Erkrankung, die sich durch viele verschiedene Symptome äußert.

sduGesundheitliche Auffälligkeiten:

  • Übergewicht
  • Untergewicht
  • Schlechte Fellqualität (insbesondere nackte Stellen an den Innenschenkeln, nackter Bauch, dünne Behaarung am Bauch, nackter Nasenspiegel, stumpfes Fell, Schuppen)
  • Wassereinlagerungen/Ödeme, besonders im Gesicht
  • Verdauungsprobleme
  • Hautprobleme
  • sich wiederholende Ohrentzündungen, offene Ohrspitzen
  • schlechte Wundheilung
  • frühes Ergrauen
  • Herzerkrankungen
  • Epilepsie

Auffälligkeiten im Verhalten:

  • hohe Erregbarkeit
  • hohes Stresslevel
  • Hyperaktivität
  • aggressives Verhalten
  • ängstliches/panisches Verhalten
  • Unaufmerksamkeit/schlechte Konzentrationsfähigkeit
  • Vermehrtes Hecheln
  • reaktives Verhalten
  • geringe Frustrationstoleranz
  • Trägheit bis hin zur Lethargie

Zur Analyse der Schilddrüsenwerte sollten folgende Werte bestimmt werden:
Gesamt T4, freies T4, gesamt T3, freies T3, TSH und TAK (Antikörper)

Leider ist den meisten Tierärzten wenn überhaupt nur der offensichtliche Typus der SDU bekannt. Das heißt, die Symptome umfassen Trägheit, Übergewicht (bzw. Ödeme) und schlechte Haut-/bzw. Fellqualität. Das nächste Problem ist die Deutung der Werte. Die verschiedenen Labors geben Referenzen an, zwischen denen sich der tatsächliche Blutwert befinden sollte. Das TSH ist ein stimulierendes Hormon, welches EIGENTLICH ansteigt, wenn zu wenig T4 in der Schilddrüse produziert wird. Das ist aber bei vielen Hunden nicht der Fall.
Die Bestimmung der Antikörper (TAK) ist ein recht aufwändiges Verfahren. Ein positives Ergebnis kann auf eine Autoimmunerkrankung hindeuten.

Generell sind Ursachen für eine SDU recht schwierig zu bestimmen, da auch hier eine Vielzahl von Möglichkeiten besteht.

Leider ist die Schilddrüsenunterfunktion keine seltene Erkrankung mehr. Im Gegenteil, sie tritt sogar recht häufig auf. Aufgrund der Vielzahl der Symptome wird sie leider sehr oft nicht erkannt und entsprechend behandelt. Gerade die Hunde, die an der nicht offensichtlichen Form leiden, haben es da besonders schwer. Es wird oft geraten, den Hund „härter" ranzunehmen, das Verhalten wäre Dominanz und Aufsässigkeit. Fakt ist, diese Hunde KÖNNEN gar nicht lernen, Training ist somit immer nur zu einem kleinen Grad möglich und begleitet von vielen Rückschritten.

Somit befinden sich Hund und Halter in einem nicht enden wollenden Teufelskreis.

Eine SDU ist sehr gut mittels Hormonen behandelbar.

Unter fachtierärztlicher Aufsicht wird das Hormon Thyroxin verabreicht. Anfangs ist eine engmaschige Kontrolle der Werte zu raten, um die Dosis ggf. anzupassen.

Eine deutliche Verbesserung der Symptome ist häufig recht schnell zu erkennen, körperlich sowie auch verhaltenstechnisch. Wobei zu beachten ist, dass sich (unerwünschtes) Verhalten etablieren kann und dementsprechend nicht einfach mit der Gabe von Thyroxin verschwindet. Die Hormongabe bewirkt keine Wunder aber sie macht ein Training erst möglich und effektiv.

Natürlich ist nicht jeder hibbelige oder träge Hund schilddrüsenerkankt, aber die Wahrscheinlichkeit ist eben nicht gering. Und gerade wegen der vielen Symptomatiken sollte eine Erkrankung der Schilddrüse recht schnell überprüft werden.