Von Messen und Massen

Mehrmals jährlich finden große und kleine Veranstaltungen zum Thema Hund statt. Diese Veranstaltungen sind meist gut besucht und zwar größtenteils von Hundehaltern samt ihren Vierbeinern.

Und auch wenn viele Menschen mit Hund das nicht wahr haben wollen, behaupte ich ganz klar, dass kein einziger Hund wirklich Spaß an solchen Besuchen hat.

Und die Gründe dafür sind mehr als offensichtlich.

Bach BaumBetrachten wir solch einen Besuch mal rein aus hundlicher Sicht:
Mensch kommt mit seinem Hund in eine Halle oder auf ein eingezäuntes Areal. Es besteht selbstverständlich Leinenpflicht. Einige Hunde haben das Glück, am Geschirr geführt zu werden, andere tragen Halsbänder oder noch unbequemere Utensilien wie Ketten oder Würgehalsungen.

Der mitgebrachte Hund befindet sich also plötzlich unfreiwillig in einer Situation die er freiwillig nie so aufgesucht hätte.

Inmitten von zig anderen Hunden, großen, kleinen, Rüden, Hündinnen, Kastraten, netten und nicht so netten, lauten und leisen, gut und schlecht riechenden...

Nun beginnen die ersten Konflikte. Der Hund kann nicht ausweichen, er kann nicht wunschgemäß auf soziale Art Kontakt aufnehmen und er kann nicht flüchten. Jeder Hund hat dann seine eigene Strategie, solche Situationen zu überstehen. Der eine wird laut und versucht sich durch bellen oder schnappen andere vom Leib zu halten. Der nächste zieht heftig an der Leine, um Herrchen oder Frauchen davon zu überzeugen, dass er den Schauplatz lieber verlassen möchte. Der dritte Hund fällt in sich zusammen, klemmt die Rute unter den Bauch und hofft einfach, dass er den Besuch heil übersteht.

Die eigene Individualdistanz wird permanent unterschritten.

Manch Hund hält sich tapfer, ist nett zu anderen, lässt rüpelhaftes Verhalten von anderen ohne Murren zu und versucht das Beste aus der Situation zu machen. Doch der Großteil der Hunde ist sehr gestresst und möchte einfach nur weg.

Die Hunde hecheln, haben Stress-Falten im Gesicht, die Ohren und Ruten sprechen Bände.

Und wie reagiert die Mehrheit der Halter in solchen Situationen auf den eigenen Hund? Richtig, sie sind genervt und lassen den Unmut über den sich daneben benehmenden Vierbeiner dann auch noch am selbigen aus. Weil man nicht in Ruhe an den Ständen das umfangreiche Angebot betrachten kann. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Kauartikel grundsätzlich in Hundenasen-Höhe aufgestellt sind? Wie soll ein Hund völlig ignorant an einem verführerisch duftenden Ochsenziemer vorbei gehen?

Also wird gezerrt, geruckt, geschoben und gepackt.

Letztendlich liegen bei allen die Nerven blank, natürlich beim Hund aber meist auch beim Halter.

Warum lässt man den Vierbeiner nicht daheim oder bei Freunden? So hat man Zeit sich alles genau anzuschauen, kann sich mit anderen Hundehaltern austauschen und kommt dann guter Dinge nach Hause, um mit dem entspannten Hund einen tollen Spaziergang zu machen.

Meiner Meinung nach profitieren beide Seiten von dieser Variante deutlich mehr.

Ich kann verstehen, dass man seinen geliebten Hund gern zeigen möchte, ist er doch der schönste auf der Welt. Aber eben weil man ihn liebt sollte man ihm diesen Stress ersparen.

Drucken Sie sein Abbild doch auf ein T-Shirt und zeigen ihn so dem Rest der Welt. Oder knüpfen Sie Kontakte und finden Spazierpartner, wo die Hunde sich stressfrei in neutraler Umgebung kennen lernen können.

Klasse statt Masse.