SCHRECK-lich

Kennt Ihr das noch, früher hat man sich ja mal einen „Spaß“ gemacht und Leute erschreckt. Jeder von uns ist mal so richtig eschreckt worden, oder?

Was passiert da?

SchreckEs passiert einiges bei einem Schreckreiz, und zwar emotional und auch körperlich. Ich erinnere mich, dass ich bei einem fürchterlichen Schreck erst in Angst verfallen bin, dann in maßlose Wut auf den, der mich erschreckt hat und zum Schluss war ich frustriert, weil ich nichts habe machen können, um meine Situation zu verbessern.

Körperlich passiert eine Menge: Der Puls rast, die Atemfrequenz steigt und der Körper verfällt in eine Art Schockzustand. Das Stresshormon Cortisol wird ausgeschüttet. Zusammenfassend schlägt ein Schreck auch auf die Gesundheit.

Das Hirn ist jedenfalls nicht mehr in der Lage rational zu arbeiten. Man dümpelt irgendwo im Hinterhirn rum, wo z. B. Lernen gar nicht mehr möglich ist.

Schreck als „Training“

Ich schätze, jede zweite Hundeschule arbeitet noch mit Schreckreizen.

Da kommt man also mit seinem Hund, der z. B. nach Männern mit Bart schnappt. Was wird als Training angeraten? Wir werfen dem Hund eine Rappeldose, Futterschüssel, Discs, was auch immer an den Kopf.

Dafür wird dann noch Geld kassiert und dem Hundehalter vermittelt, dass der Hund das ja auf keinen Fall machen darf und man da durchgreifen muss.

Dann nennt man sich noch schnell „Hundepsychologe“ oder ähnlich und geht erst gar nicht darauf ein, WARUM der Hund das evtl. macht! Das wäre ja auch zuviel verlangt. Man will das Verhalten abstellen und schmeißt dem Hund was vor die Pfoten/an den Kopf/ oder sonstwo hin.

Psychologisch wertvoll?

Meine Frage daher an die ganzen selbsternannten „Tierpsychologen“: In welchem psychologisch wertvollen Schriftstück steht, dass man über Erschrecken problematisches Verhalten therapieren kann? 

Da werfen wir doch einfach mal dem Klaustrophobiker einen Topf an den Kopf, wenn der Panik im Aufzug bekommt!

Oder schreien den Arachnophobiker (das sind die mit der Angst vor Spinnen) unvermittelt an, wenn er weglaufen will. Das hilft! Zumindest der Spinne.

Unverschämt

Ich finde es ungeheuerlich, dass man einem Tier, welches ein in UNSEREN Augen problematisches Verhalten zeigt, einfach mal in allem Verhalten so hemmt, dass es sich nicht mehr traut, irgendetwas zu tun.

Und das auch noch als „Training“ betitelt. Jeden Tag höre ich von fliegenden Rappeldosen, Futterschüsseln und plötzlichen körperlichen Übergriffen auf Hunde, die nicht in den gewünschten Rahmen passen.

Das hat nichts, aber auch gar nichts mit gutem Hundetraining zu tun.

Achtung!

Wenn Ihr mit einem Hund, der problematisches Verhalten zeigt, zu einem Trainer geht, dann schaut genau hin! Hört auf Euer Bauchgefühl! Und vor allem: Lest Euren Hund!

Wenn dieser vor dem „Trainer“ unterwürfig rum wuselt und beschwichtigt, Trainingsorte nicht mehr aufsuchen möchte oder andere merkwürdige Verhaltensweisen zeigt, dann lasst das! Euer Hund lernt so nichts, er wird schlicht zu Tode erschreckt und lernt nichts, was ihm hilft.

Das hat auch nichts mehr mit Psychologie zu tun, Fairness oder effektivem Training zu tun.

Fazit

Schaut Euch das Verhalten Eures Hundes an. Überlegt, wie es entstanden sein könnte. Habt Ihr es evtl. unbewusst verstärkt? Was wollt Ihr statt des problematischen Verhaltens? Einen zu Tode erschreckten Hund, der kein Verhalten mehr zeigt, aber Männer mit Bärten immer noch gruselig findet, sicher nicht. Und der nicht gelernt hat, dass Männer mit Bärten auch toll sein können?

Toll wäre doch ein Hund, der lernt, mit Konfliktsituationen umzugehen. Aber das erreicht Ihr nicht, in dem Ihr stumpf mit Zeugs um Euch werft.

Und bedenkt vor allem immer eins: Wie würdet Ihr Hilfe für Euch erwarten bei Problemen?