Hundetraining ist kein Kampf!

Viele Kunden berichten mir von ihren Erlebnissen aus Hundeschulen, die sie vor mir besucht haben. Was ich höre, erschreckt mich sehr, vor allem, wie sich das Verhältnis zwischen Hund und Halter zum Negativen verändert.

Eine Kundin hat das in wundervolle Worte gefasst, was schlechtes Training mit einem Menschen machen kann:

Ich wäre sehr froh gewesen, wenn ich dich schon früher kennengelernt hätte, dann wäre mir viel Frust und xxx viel Ärger erspart geblieben :-( 
Aber jetzt haben wir dich und wir sind sehr froh - ich denke wir sind auf einem guten Weg :-)

Am meisten entlastet mich, dass wir gelernt haben, dass es das ganze Ding mit dem Rudelverhalten und der Dominanz eigentlich so nicht gibt. Früher wurde uns unterschwellig immer unterstellt, dass wir der Auslöser für xxx Verhalten sind. Sie habe Konflikte mit anderen Hunden - weil sie zu dominant sei und dies sei sie,  weil wir zu viel durchgehen lassen und ihr zu viele Privilegien einräumen z.B. weil sie aufs Sofa darf. Sie würde uns nicht ernst nehmen und wir sollen uns mehr durchsetzen. Ein Teufelskreis begann, wir hatten Schuldgefühle und xxx bekam (in guter Absicht) immer mehr Druck von uns. Das besserte ihr Verhalten natürlich nicht und wir wurden immer hilfloser und besorgt, ob wir xxx überhaupt gewachsen sind, mit dem was sie braucht, ob wir uns überhaupt dauerhaft genug durchsetzen können ...
Nun hat der ganze Unsinn Gott sei Dank ein Ende und dank dir können wir xxx nun so erziehen, wie unser Bauchgefühl es uns schon immer geraten hat. Nur mit mehr Selbstvertrauen, weil wir uns keine Vorwürfe mehr machen müssen - sondern dank dir nun endlich auch gezeigt bekommen wie wir das Problem sinnvoll angehen können. Natürlich helfen uns dabei auch die Schilddrüsentabletten.
Danke.

Es handelt sich hier um eine junge Hündin, die an einer (recht offensichtlichen) Schilddrüsenunterfunktion leidet und als Folge sehr reaktiv, unkonzentriert und explosiv ist.

Alte Zöpfe

Leider begegnen uns immer noch von allen Seiten Begriffe wie „Rudelführung“, „Rangordnung“ und „Dominanz“. Menschen mit „problematischen“ Hunden wird immer erstmal erklärt, wie sehr der Hund ihnen doch auf der Nase rum tanzt und dass sie sich durchsetzen müssen.

Und schon hat man die Kriegserklärung in der Tasche. Der Hundehalter fühlt sich auf einmal schlecht und unfähig und beäugt seinen Hund nur noch misstrauisch, weil dieser ja permanent im Aufbruch steht, einen besseren Status, höheren Rang oder sonstiges zu erreichen.

Druck

Bach CouchEs baut sich ein Druck auf, der ganz sicher kein gutes Klima für effektives Training bietet. Druck ist Gift für eine gute Beziehung. Das kennen wir doch alle noch aus der Schule. Bei welchem Lehrer haben wir denn am liebsten (und erfolgreichsten) gelernt?

Ich bin entsetzt, über die emotionale Belastung, die für den Hundehalter entsteht. Ein Kollege von mir hat auf seinem Trainingsgelände immer eine Packung mit Taschentüchern stehen, weil manch Hundehalter derart erleichtert ist, dass die Tränen fließen.

Bedürfnisse

Auf solche Weise werden nicht nur die Bedürfnisse des Hundes völlig übergangen, sondern auch die des Halters. Ein Hund, der problematisches Verhalten zeigt, tut dies doch nicht, weil er seinen Menschen ÄRGERN will. Dies wird aber leider noch oft so propagiert.

Wenn ich als guter Trainer ein Problemverhalten sehe, suche ich nach den Ursachen, erstelle einen bedürfnisorientierten Trainingsplan und leite den Halter aufmunternd dazu an, wie wir das Problem angehen.

Und dazu gehört nicht, dass man dem Hund Zwang und Schreck antut, dem Halter erzählt, wie schlecht er doch ist und dann Gewalt und Druck anwendet.

Bauchgefühl

Hört auf Euer Bauchgefühl! Hinterfragt alles, was Euch komisch vorkommt und setzt vor allem Logik ein!

Ein Hund, der nicht mehr auf die Couch darf, wird deswegen draußen nicht das Pöbeln einstellen.

Beendet den Kampf. Krieg hat noch nie zu etwas gutem geführt.