Cesar Millan

Kotzen

Zur Zeit gibt es viele Meldungen in sozialen Netzwerken bezüglich geplanter Auftritte von Cesar Millan in Deutschland und im angrenzenden Ausland.

Mit Freude lese ich, dass Niedersachsen dem ganzen wenigstens etwas Einhalt geboten hat und Cesar Millan nicht einfach seine gewaltvollen Methoden ausüben lässt.

Mit Entsetzen lese ich die immer gleichen Kommentare der Anhängerschaft von Cesar Millan, die mich einfach nur den Kopf schütteln lassen.

Cesar Millans „Trainingsmethoden“ sind sehr offensichtlich mit physischer und psychischer Gewalt verbunden.

In folgendem Link sind einige Videos zu sehen, die mir persönlich die Tränen in die Augen treiben:

http://www.trainieren-statt-dominieren.de/artikel/der-hundefluesterer

Keine Gewalt?

Wer da keine Gewalt erkennt, ist schlicht und ergreifend blind. Wer auch nur rudimentäres Wissen über die Körpersprache hat, erkennt sofort die Not der misshandelten Hunde.

Mich erschreckt, wie abgestumpft viele Menschen gegenüber dem Thema Gewalt sind. Und sich diese schön reden, womit wir wieder bei der Argumentation der Millanschen Jünger wären.

„Der hat soviele Hunde vorm Einschläfern gerettet“ 

Hat er das? Was ist mit den Fällen, die nach seiner Behandlung nicht mehr gesellschaftsfähig waren? Berichtet er über die auch? Die gibt es nämlich. Was auch nicht unlogisch ist, denn es ist erwiesen, dass eine „Erziehung“ über Gewalt Aggressionen fördert. Hunde werden in ihren Reaktionen unberechenbar.

Hat sich mal jemand die Frage gestellt, warum Hunde verhaltensauffällig sind? Sicher nicht, weil eine herausragende Sozialisation samt netter Erziehung stattgefunden hat. Und genau das ist so bitter: Menschen haben diese Hunde versaut und dann kommt ein selbsternannter Hundeflüsterer und behandelt sie wieder mit Gewalt. Wie soll das funktionieren?

Kein Hund, egal wie verhaltensauffällig er ist, MUSS so behandelt werden. Auch wenn Cesar Millan das immer wieder propagiert, ist dies nicht die Wahrheit. Im Gegenteil, zeigt es doch, wie beschränkt er in seinen Fähigkeiten ist, mit Problemverhalten umzugehen.

„Hast Du überhaupt schon mal mit solchen Hunden gearbeitet?“

Ja! Ich bin Hundetrainer! Ich hab selten einen Hund im Training, dessen Hauptproblem das Platz auf nassem Untergrund ist. Da sind tatsächlich Hunde bei, die Aggressionen gegen Artgenossen und auch Menschen zeigen.

Und ja, ich hab auch mit Tierschutzhunden gearbeitet, sogar viel mit den sogenannten Kampfhunden. Da verlangte es sehr viel Geduld und viel Kopfarbeit, wie man z. B. mit Baseballschlägern verprügelte Hunde wieder an den Menschen gewöhnt. Da gibt es tolle Vereine, die tagtäglich diese Hunde resozialisieren, ohne sie zu treten, würgen oder einzuschüchtern.

„Man muss Hunden Grenzen setzen“

Auch da fällt einem nur Gewalt zu ein? Mein Hund kennt Grenzen, der hoppst weder daheim über Tische und Bänke, noch fordert der sein Futter mit gefletschten Zähnen von mir ein.

Das hab ich dem beigebracht, ganz ohne zischen, abblocken, treten, rucken, etc. Im Gegensatz zu Cesar Millan finde ich es nämlich fürchterlich, wenn mein Hund mit eingezogener Rute sabbernd vor mir auf dem Boden kriecht. Ich erfreue mich an der Freude meines Hundes, wenn er mich sieht und mit mir arbeitet.

Aber das scheint ein charakterlicher Unterschied zu sein. Es gibt ja Menschen, denen das dominieren und unterwerfen gefällt. Dazu gehört Cesar Millan wohl, woraus er auch keinen Hehl macht. Aber dann soll er sich bitte Geschöpfe suchen, die das freiwillig mit sich machen lassen.

„Du bist ja nur neidisch auf seinen Erfolg“

Das ist ja eines meiner liebsten Argumente. Das kommt immer dann, wenn man nichts anderes mehr in petto hat. Und dieses Argument kommt schnell.

Nein, ich bin nicht neidisch auf mangelnde Empathie, einen schlechten Charakter und Dummheit. Und nein, auch auf sein Geld und seinen „Erfolg“ bin ich nicht neidisch. Denn für mich ist das kein Erfolg, auf Kosten der wunderbarsten Tiere der Welt Geld zu verdienen.

Auf meiner Facebook-Seite schrieb eben eine Dame:

„Cesar Millan ist der beste Freund des Hundes! Ich freue mich, ihn bald live zu sehen!“.

Mit Brunnenfröschen lässt sich eben nicht über das Meer reden.

Der arme Hund dieser Dame, ich hoffe er darf daheim bleiben.