NONVERBAL IST ARTGERECHT?

Es gibt viele Hundetrainer, die meinen, dass man mit seinem Hund nur über die Körpersprache kommunizieren soll.

Die Argumente der Sprachlosen

Diese Trainer erklären dann weiter, dass Hunde untereinander nonverbal und rein körpersprachlich kommunizieren. Die Kommunikation sei nur von „wenigen“ Lauten wie Bellen, Knurren oder Jaulen begleitet.

 

 

Menschen sind in ihrer Signalgebung oft widersprüchlich: Sie rufen beispielsweise den Hund zu sich, stehen aber mit dem Oberkörper zum Hund nach vorn gebeugt. Was für den Hund bedeutet: Frauchen ruft mich per Signal, sieht aber körpersprachlich so aus, als solle ich weg bleiben. Diese Widersprüche sollen nonverbal vermieden werden.

Deshalb wäre für Hunde so schwer, uns zu verstehen. 

Hunde würden die Bedeutung unserer Worte nicht verstehen. Sie verknüpfen sie nur im Laufe der Zeit mit unseren entsprechenden Handlungen.

Butzel

Darüber hinaus sei die nonverbale Kommunikation keine einfache Konditionierung wie bei Wortbefehlen. 

Haltbare Argumente?

Hunde kommunizieren untereinander und mit uns über ihre Körpersprache – das ist richtig. Aber die Lautgebung ist bei der Verständigung unter Hunden sehr viel wichtiger, als es oft dargestellt wird. Bellen, Jaulen und Co gehören genauso dazu wie Mimik und Gestik.

Wie Hunde untereinander kommunizieren, kann aber kein Maßstab für uns sein, denn wir können auf keinen Fall wie Hunde „sprechen“.

Ja, wir senden oft widersprüchliche Signale. Trotzdem können Hunde uns verstehen, eine großartige Leistung!

Auch wenn wir vorgebeugt HIERHER rufen, befolgt der Hund oft das Signal, weil er weiß: Der ruft mich eben so. Eine andere Körpersprache würde es dem Hund sicher erleichtern, der Hund wird davon aber sicher nicht traumatisiert.

Erinnern Sie sich an Rico? Den Hund, der bei Thomas Gottschalk 200 Stofftiere auf Signal unterscheiden konnte? Wenn Hunde die Bedeutung unserer Worte nicht verstehen, frage ich mich, warum mein Hund beim Wort ESSEN immer so aufmerksam schaut?

Konditionierung findet immer statt, bei jedem Lernvorgang. Wenn ich nun meinem Hund körpersprachlich vermittele, er möchte bitte nicht auf die Couch springen, ist das genauso konditioniert wie wenn ich es ihm verbal untersage. Konditionierung hat nicht nur was mit Worten zu tun.

Was bedeutet nonverbal für den Hund?

Nonverbal bedeutet für den Hund, dass er immer seine Aufmerksamkeit auf den Halter richten muss. Das gefällt natürlich vielen Menschen, weil das nach sehr guter Erziehung aussieht. Der Hund hat dadurch allerdings kaum Freiraum für Eigenkreativität und die Erfüllung seiner Wünsche.

Mangelnde Aufmerksamkeit hat dann eine unangenehme Korrektur zur Folge. Das permanente Schauen auf den Menschen ist Stress für den Hund und führt schnell in erlernte Hilflosigkeit.

Ich lernte mal ein nonverbal kommunizierendes Mensch-Hund-Team kennen. Der Hund klebte mit den Blicken am Halter und befolgte alle Signal direkt und hoch erregt. Er nahm nichts von der Umwelt wahr, weder andere Hunde noch andere Menschen. Nach einigen Jahren erblindete der Hund. Wie läuft dann eine nonverbale Kommunikation zwischen Halter und Hund?                                                     Baxti

Alle Möglichkeiten nutzen

Hunde kommunizieren über Körpersprache und Lautgebung. Sie haben ein ausgezeichnetes Gehör und können sehr gut die Bedeutungen unterschiedlicher Signalwörter lernen. Das gibt mir viele Mittel an die Hand, meinen Hund zu führen.

Warum sollten wir uns da einschränken? Je größer unser Werkzeugkasten der Kommunikation ist, umso besser werden wir uns mit unserem Hund verständigen können.
Nutzen wir doch all unsere Möglichkeiten!