Je größer das Problem, je härter das Training...

RegineIn der großen Welt des Internets werden wir positiv arbeitenden Trainer ja gern mal auf die Schippe genommen. Wir würden nur mit Wattebäuschen werfen, sind Futterautomaten oder machen den ganzen Tag mit jedem Hund immer nur DUTZIDUTZIDUTZI und hoffen so auf Trainingserfolge.

Mir persönlich ist das egal, ich weiß ja wie ich trainiere. Ich nutze weder Gebilde aus Watte zum Werfen, noch setze ich Futter wie ein Automat ein. Was DUTZIDUTZI ist, habe ich noch nicht so richtig begriffen. Ich bin freundlich zu Hunden, behandele sie mit Respekt und Verständnis. Wenn das DUTZIDUTZI ist, bitte schön.

 

 

Dieses Geschichten erzählen über positiv arbeitende Trainer entsteht schlicht aus Unwissenheit. Und genau aus dieser Unwissenheit entstehen Aussagen wie:

 

 

  • „Die arbeiten ja gar nicht mit schwierigen Hunden“
  • „Bei richtigem Aggressionsverhalten können die nichts“
  • „Sicher nicht SOLCH einen Trainer für SO EINEN Hund“
  • „solche Hunde brauchen ordentliche und harte Trainer“

NeroWas wird da eigentlich angenommen? Wir streicheln samstags auf dem Hundeplatz 5 Welpen? Backen nebenbei täglich Hundekekse, damit wir immer Munition für den Futterautomaten haben? Und bringen sonst nur Sitz oder Platz bei?

In meinem Training habe ich noch nie einen Hund gehabt, der genau deswegen zu mir gebracht wurde. „Frau Hochhäusler, mein Hund kann kein Platz, helfen Sie mir bitte?“
Dafür würde ich nicht mal Geld nehmen, um das zu vermitteln.

Nein, es kommen ganz andere Hunde ins Training. Ich möchte mal einen kurzen Einblick geben, mit was ich so seit über 6 Jahren an Verhaltensproblematiken arbeite:

  • Hunde, die sich stundenlang im Kreis drehen oder tagsüber nicht eine Sekunde schlafen können
  • Hunde mit Aggressionen gegen Artgenossen (ja die auch schon beschädigend gebissen haben)
  • Hunde mit Aggressionen gegen Menschen (ja die auch schon Menschen verletzt haben)
  • Hunde, die vor Angst nicht das Haus verlassen
  • Hunde, die Ressourcen massivst verteidigen
  • Hunde, die ausgeprägtes Jagdverhalten zeigen inkl. Tötungssequenz
  • Hunde, die nicht allein bleiben können
  • Hunde, die nicht im Auto fahren können
  • Hunde, die in Autos beißen
  • Hunde, die alles was sich bewegt ankreischen
  • Hunde, die gesundheitlich sehr angeschlagen sind

Und man kann das alles tatsächlich trainieren ohne Härte. Ohne Rang-Rudel-Gedöns, ohne Rucken, Treten, verkloppen und bedrängen. Denn jetzt kommt das, was viele nicht wahrhaben wollen:

Die meisten Hunde mit Aggressionsverhalten sind so auffällig, WEIL sie über Strafe trainiert wurden!

Das ist auch belegt:
https://www.sciencedaily.com/releases/2009/02/090217141540.htm
http://www.appliedanimalbehaviour.com/article/S0168-1591(03)00248-X/abstract?cc=y=
https://smartdogs.wordpress.com/tag/dog-aggression/

Zu uns kommen oft die Halter, die das Ding mit der Strafe schon durch haben. Weil das ganze nämlich auf Dauer nicht hilft und auch noch üble Nebenwirkungen hat.

Also, ob man glaubt oder nicht, wir haben sehr viele Erfahrungen mit Hunden, die aus der Rolle fallen.

Letzt las ich von einer Anhängerin des kleinen Mexikaners, dass wir ja alle keine Ahnung hätten, weil wir ja noch nie gebissen worden sind.

Was für ein sinnloses Argument. Eben weil wir Ahnung haben, werden wir nicht gebissen. Wenn ich doch weiß, dass ein Hund beißt, halte ich ja nicht noch meine Hand dahin. Oder bedränge und konfrontiere. Dazu gehört nicht sonderlich viel Grips, ich packe ja auch nicht auf eine heiße Herdplatte.

Das positive Training sieht für diejenigen, die gern sehen, wie Hunde bedrängt und zum Austicken gebracht werden, eher langweilig und unspektakulär aus.

Weil ihr Blickwinkel in die falsche Richtung geht. Es geht nicht darum, den Hund zu besiegen, sondern darum, dem Hund zu helfen.

Für mich ist das sehr spektakulär, wenn ein stark verhaltensauffälliger Hund plötzlich Vertrauen fasst und sich freut, zu lernen.