Einzelgänger oder Außenseiter?

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Meinen letzten Urlaub verbrachte ich mit einer lieben Bekannten samt Hund im Sauerland. Die Temperaturen waren gemäß der Jahreszeit recht kalt, so um die 6-8 Grad tagsüber. Wir freuten uns über die gemütliche Hütte am Waldrand samt Kamin.

Der Hund meiner Freundin ist ein Eurasier, rassebedingt also mit sehr viel Fell ausgestattet. Mir war klar, dass ihm natürlich schneller warm ist als uns oder meinem kurzhaarigen Hund, aber was ich in den 5 Tagen beobachtet habe, hat mich doch sehr nachdenklich gemacht.

Bero hechelte drinnen sehr oft und trank extrem viel. Klar, wer viel hechelt braucht viel Wasser. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass er sich mit dem Wasser auch von innen kühlen wollte. Wenn er bei uns drinnen lag, wechselte er sehr oft die Liegeplätze. Manchmal lag er lang auf der Seite und hatte eine Atemfrequenz, die mir Angst machte. Auf seinem Kissen lag er kaum, obwohl wir es schon in die Nähe der Tür gelegt haben. Er hätte im kühlen Schlafzimmer liegen können, tat das aber nicht. Warum? Weil das bedeutet hat, er läge weit entfernt von uns ohne Kontakt.

Er lag gern draußen auf der Terrasse, da konnte er uns durch die Glastür noch sehen. Das Problem war nur, dass Bero ein sehr wachsamer Hund ist und daher schnell anschlägt und jedem Geräusch nachgeht. Er kam draußen also auch kaum zur Ruhe.

In Summe schlief oder ruhte er über Tag kaum.

Er tat mir sehr leid, vor allem, dass er immer weg von uns liegen musste, weil es bei uns zu warm war. Wir haben dann zum Ende des Urlaubs Kamin und Heizung nicht angemacht und uns in Decken auf die Couch gekuschelt. Und siehe da, dieser wunderbare Hund hat sich zu Frauchens Füßen gelegt und das erste Mal in unserer Anwesenheit tief und fest geschlafen.

Man hört ja gern mal über den ein oder anderen Hund: Das ist ein Einzelgänger, der ist lieber für sich. Oder: Mein Hund kuschelt nicht gern.

Ich frage dann sofort nach, was für ein Fell der Hund hat. Weil ich mir sehr gut vorstellen kann, dass einige dieser Hunde einfach nicht kuscheln mögen, weil es durch das ganze Fell einfach unangenehm ist. Beim Bero verfangen sich ganz oft Kletten, kleine Äste und andere Dinge im Fell, die ziepen und in der Bewegung behindern. Darüber hinaus bedeutet beim Menschen liegen oder gar auf Decken, Sofas oder ähnlichem einfach Wärme, die der Hund nicht ertragen kann.

Ich kenne einige Hunde, deren Fell ganzjährig kurz geschoren ist und die ab da auch wieder kuscheln konnten und bei ihren Menschen lagen.

Darüber hinaus verbraucht dieses unruhige Verhalten aufgrund der erhöhten Körperwärme natürlich auch Impulskontrolle die manch Hund aber an anderen Stellen dringend benötigt. Bero tut sich schwer mit Artgenossen und fremden Menschen, da frage ich mich, wo wir im Training heute wären, hätte er das Problem mit der Körperwärme nicht.

Ebenfalls zu erwähnen ist der eingeschränkte Kommunikationsfaktor eines so stark befellten Hundes. Andere Hunde können wenig lesen, weil sie vor lauter Haar nichts erkennen.

Auch wenn viele Menschen immer noch der Meinung sind, so ein Fell habe ja eine Funktion und ist eine Art Klimaanlage, stimmt das immer noch nicht. Fellbeschaffenheit ist ein Ergebnis von Zucht, die wiederum aus falschen Schönheitsidealen entstanden ist. Wer offen sagt, er schere seinen Langhaarcollie, Eurasier, Labrador, etc., dem droht fast die öffentliche Steinigung.

Ich möchte mit diesem Artikel einfach mal zum Nachdenken anregen. Falsche Schönheitsideale gehen zu Lasten der Gesundheit und dem Wohlbefinden unserer Hunde. Das kann und darf nicht sein.

Beobachtet Eure Hunde mit viel Fell und versucht objektiv zu sehen, ob sie leiden. Und helft, falls nötig

 

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