Der Paragraph 11 TschG und seine Auswirkungen…

 

Es gibt keine.

Hier kann man nachlesen, worum es bei diesem Paragraphen geht.

Ich war ja immer der Meinung, dass dieses Gesetz auch dazu beitragen soll, dass tierschutzwidrige Methoden im Hundetraining verschwinden.

Die Realität ist eine andere. Was Kunden mir erzählen, was ihnen bei anderen Trainern widerfahren ist, verschlägt mir die Sprache.

 Arty

 

Nachfolgend ein paar Auszüge davon:

…2 mittelgroße Mischlings-Hündinnen mit Angst vor Artgenossen wurden in eine Gruppe von über 20 Hunden gesetzt. Nachdem sie sich vor Angst unter einen Holzstapel verkrochen haben, wurde mit Schläuchen nach ihnen geschmissen, damit sie wieder rauskommen. Dazu wurden sie bei unerwünschtem Verhalten angezischt, in die Seite gezwickt und es wurde an der Leine am Halsband geruckt. Oder auf die Seite geworfen, gerne noch dabei mit dem Knie fixiert. Bei Trennungsstress sollte bei Lautäußerung die Tür aufgemacht werden, eine Metallschüssel in den Flur geworfen und wieder raus gegangen werden. Das bei jeder Lautäußerung bitte wiederholen.

…1 Labrador-Mix wurde bei der Reaktion auf Radfahrer 45 Minuten lang auf dem Boden fixiert, so dass er sich nicht mehr bewegen konnte.

… 1 Vizsla-Hündin wurde als Strafmaßnahme an den Wangen gepackt, ganz nah ans Gesicht der Trainerin gezogen und so lange fixiert, bis sie den Blick abgewendet hat.

…1 Berner-Aussie-Mischling wurde nachdem er als Welpe von einem anderen Hund attackiert wurde von der Trainerin mit ihrem Körpergewicht auf dem Boden fixiert, als er auf einen anderen Hund angeleint reagierte. Später erhielt dieser Hund für seine Artgenossen-Aggression nach mittlerweile 3 unverschuldeten Attacken folgende Behandlungen: Am Stachelhalsband fixiert wurde er in eine Gruppe von Hunden gesetzt und bei jeder unerwünschten Reaktion geruckt. Er wurde dauerhaft mit Wasser bespritzt, mit der Zeitung geschlagen und in die Flanken gekniffen.

…1 kleine Mischlingshündin wurde gegen ihre Trennungsangst an der Heizung festgebunden und der Halter sollte den Hund ignorieren. Bei unerwünschtem Verhalten bei Hundebegegnungen wurde sie mit Wasser bespritzt. In der nächsten Hundeschule wurde die Halterin gleich wieder mit der Wasserspritze ausgestattet.

Ich kann das noch seitenlang weiter aufzählen.

Zusammenfassend werden heutzutage folgende tierschutzwidrigen Handlungen immer noch am Hund als Training verkauft:

  • Stachelhalsband
  • Leinenruck
  • „Alphawurf“ oder auf die Seite werfen
  • In Flanken zwicken
  • Mit Fingern in Weichteile stoßen
  • Zischen
  • Brüllen
  • Schreckreize wie Schlüssel, Wasser, scheppernde Schüsseln
  • Schläge mit Leine oder Zeitung
  • Ohren umdrehen

Mich entsetzt das wirklich sehr.

Gizzi

Jeder Hundetrainer hat die Pflicht, sich fortzubilden. Es stehen einem alle Möglichkeiten offen, wissenschaftliche Forschungsergebnisse einzusehen, wo schon seit Jahrzehnten niedergeschrieben steht, dass aversives Training den Hund nur folgendes lehrt:

  1. Hund stellt sein Verhalten ein aus Angst vor weiteren Strafen
  2. Hund reagiert mit Aggressionsverhalten, um die Bedrohung abzustellen
  3. Hund sucht sich ein anderes Ventil für seine Probleme

Ich bekomme Hunde ins Training, die unter sich machen vor Angst, weil sie merken, dass auch ich ein Trainer bin. Und sie solch schlechte Erfahrungen gemacht haben, dass sie die Kontrolle über ihre Körperfunktionen verlieren. Das habe ich nicht nur ein Mal erlebt.

Ich bekomme Hunde ins Training, die auf körperliche Annäherung aggressiv reagieren, weil sie dies im Rahmen von Training nur aversiv kennengelernt haben und sich bedroht fühlen.

Es gibt Hundetypen, die stumpfen ab und lassen Strafen über sich ergehen. Es gibt Hundetypen, die sind sehr leicht hemmbar und fügen sich in ihr Schicksal. Dies rechtfertigt diese Art von Training aber nicht.

Cindy

Ich appelliere daher an alle Hundehalter, die solche Methoden in Hundeschulen erlebt haben:

Nehmt das nicht hin! DAS IST KEIN TRAINING. Hört auf Euer Bauchgefühl, brecht ab, besser noch, schaut Euch vorher an, wie gearbeitet wird. Es gibt leider immer noch viele Menschen, die diese Art von Training mögen und favorisieren, die erreiche ich nicht. Ich möchte aber die erreichen, die solche Methoden erlebt haben und dann sagen: Mir reicht es, ich besuche keine Hundeschule mehr. Lasst das nicht so stehen, nicht für Euch und vor allem nicht für Eure Hunde.

Lasst Euch nicht als zu schwach, blöd, oder sonst was bezeichnen, weil Euer Hund problematisches Verhalten zeigt.  

Training kann und soll Spaß machen, beiden beteiligten Parteien.

Wichtig ist, dass aversive Methoden aus dem Hundetraining verschwinden.